Archiv für Juli 26, 2008

Plakat für die Tour de Salz

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Leserbrief zum Flyer der K + S AG

Sieht man die Bemühungen von Kali +Salz uns Bürgern Argumente für ihre geplante Umweltverschmutzung zu geben, so mache ich mir als Bürger Gedanken, für wie blöd man uns seitens K+S hält. Was würde man sagen, wenn heute die Automobilindustrie argumentierte, „Vollgas ist doch besser als Gas wegnehmen, da eine gleichmässige Belastung für unsere Umwelt verträglicher ist ..….“ oder, die Brauereien postulierten „jeden Tag besoffen ist doch besser als unregelmäßiges Trinken, damit unser Körper nicht den Schwankungen und Strapazen eines nüchternen Daseins ausgesetzt ist“…… Da dies, neben der obligaten Androhung des Verlustes von Arbeitsplätzen eines der wichtigsten Argumente von K+S für die Salzeinleitung und somit einer über Jahrhunderte währenden Umweltverschmutzung zu sein scheint, hoffe ich, dass alle Betroffenen merken, welche Wertschätzung unsere Region und ihre Bürger bei K+S genießen.

Dass man es bei Kali + Salz auch nicht so genau nimmt oder vielleicht nicht genau nehmen will, sieht man darin, dass die Belastung der Werra in Eschwege nur mit ca. 1200 mg/l Chlorid geschätzt wird. Angesichts der Millionengewinne könnte man ja erwarten, dass es doch verlässliche und objektive Messungen geben müsste….. oder ist K+S das Geld zuschade, weil die Kontrollbehörden ja doch alles glauben? Wie kommt es, dass die Fischereigenossenschaft erst kürzlich in Hann. Münden einen Chloridwert von ca. 6.000 mg/l gemessen hat….Sagt man uns wirklich die Wahrheit?… Was wird uns noch an Umweltsünden verschwiegen oder geschönt…? Drückt die Salzlauge durch die Verpressung in das Dolomitgestein nun bei uns schon unkontrolliert und diffus an die Oberfläche und gelangt in unser Trinkwasser? Was passiert, wenn der Plattendolomit in wenigen Jahren keine Salzlauge mehr aufnimmt, so wie K+S schon im Prospekt ankündigt? Kommen dann noch einmal einige Millionen Kubikmeter Salzlauge auf Werra und Weser zu?

Anstatt nach den beginnenden Bürgerprotesten entlang Werra und Weser sich Gedanken über Alternativen zur geplanten billigsten Entsorgungsvariante zu machen, versucht man in der gewohnten konzerntypischer Argumentation und einem Hochglanzprospekt nur die Interessen und Gewinne des Konzerns zu sichern. Unsere verantwortlichen Politiker sollten gerade diesen Versuch von K+S zum Anlass nehmen, der derzeit landesüblichen Volksverdummung der Industrie (Gas, Benzin, Energie, Strom u.v.m…) entgegen zu treten, sich den Protesten der Bürger anzuschließen und sich jetzt erst recht massivst und absehbar für eine saubere Werra im Werratal einzusetzen. Das Erfreulichste an dem Hochglanzprospekt aber ist, dass nun viel mehr Menschen wissen was K+S vorhat und jeder Mensch mit einem gesunden Menschenverstand weiß, dass es nicht gut ist über 700 Jahre Salz in einen Süßwasserfluß zu kippen.

Stefan Heuckeroth-Hartmann