Ein Besen für Merkel

Es ist schön zu sehen, dass die EU-Ratspräsidentin den Finger hebt und die Europäer zu mehr Umweltbewusstsein aufruft. Dennoch kann sich die Bürgerinitiative Rettet die Werra des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Fingerzeig dazu dient, sich zu profilieren. Die gestenreiche Rede erscheint uns als nicht glaubwürdig. Vor wenigen Wochen gab es eine Anfrage im deutschen Bundestag zur Werraversalzung und auf die Fragen eines Abgeordneten gab es die konzernüblichen Antworten, dass die stete Belastung der Werra ja besser sei als eine Reduzierung der Salzfrachten. Die Werra, als Quellfluß der Weser im Herzen Deutschlands, soll für die nächsten Jahrhunderte zur Entsorgung von Salzlaugeabfällen aus der Kaliproduktion bei Fulda herhalten. Wie lapidar die Jahrhunderte lange Einleitung von mehreren Millionen Tonnen Salzlauge im Jahr in einen Süßwasserfluß gerechtfertigt wird, erschüttert die betroffenen Anwohner an Werra und Weser. Ob hinter ihrer Rede in Davos auch Herz und Überzeugung steckt werden wir an ihrer Haltung zur geplanten Salzlaugeneinleitung in die Werra zu bewerten wissen. Um ihrer Überzeugung Nachdruck zu verleihen, könnte sie ihren Parteikameraden Koch in Wiesbaden anrufen und ihn auffordern im Interesse eines nachhaltigen Umweltschutzes die Genehmigung zur Salzeinleitung in die Werra zu widerrufen. Geschieht diesbezüglich nichts, so könnte es passieren, dass aus dem flehentlichen Aufruf an die Staatengemeinschaft zum Umwelt und Klimaschutz ein Bumerang wird. Wenn die zu mehr Umweltbewusstsein aufgeforderten Politiker unserer Nachbarländer die Ignoranz der hessischen Landesregierung und die föderale Ohnmacht der Bundesregierung gegenüber der Werraverschmutzung erfahren, so wird man ihr mehr als einen Besen schenken um vor der eigenen Haustür zu kehren. Angesichts dessen, dass seitens der verantwortlichen Politiker in Hessen noch der sonore Einklang mit den ökonomischen Interessen des K&S Konzerns besteht, so ist die Flammrede von Frau Merkel in Davos für die betroffenen Bürger an Werra und Weser nichts anderes als populistisches Kirmesgeschwätz.

Stefan Heuckeroth-Hartmann, Bad Sooden-Allendorf

Advertisements

%d Bloggern gefällt das: